What-if-Analyse mit Simulation
What-if-Analysen mit Simulation
What-if-Analysen sind eine der wichtigsten Anwendungen für Process Simulation. Durch das Erstellen mehrerer Szenarien und den Vergleich der Ergebnisse treffen Sie fundierte Entscheidungen, bevor Sie Ressourcen und Zeit in die Umsetzung investieren.
Die Kraft des Vergleichs
Simulation liefert wertvolle Prognosen, doch echte Erkenntnisse entstehen erst durch den Vergleich:
- Vergleichen Sie vorher und nachher einer Veränderung
- Vergleichen Sie simulierte Ergebnisse mit tatsächlichen historischen Daten
- Vergleichen Sie mehrere alternative Szenarien
Datensätze in ProcessMind vergleichen
Da Simulationsergebnisse als standardisiertes Event Log Dataset vorliegen, bietet ProcessMind leistungsstarke Tools zum Vergleich beliebiger Datensätze – ob simuliert, historisch oder beides.
So vergleichen Sie Datensätze
- Wechseln Sie zur Ansicht Vergleichen im Prozess
- Wählen Sie die gewünschten Datensätze aus
- ProcessMind zeigt Kennzahlen und Visualisierungen im Direktvergleich
Was können Sie vergleichen?
| Metrik | Beschreibung |
|---|---|
| Throughput Time | Gesamtdauer vom Start eines Cases bis zum Abschluss |
| Waiting Time | Wartezeit der Cases auf Ressourcen |
| Processing Time | Tatsächliche Bearbeitungszeit der Aktivitäten |
| Case Count | Anzahl abgeschlossener Cases |
| Resource Utilization | Auslastung der Ressourcen |
| Path Distribution | Welche Pfade die Cases im Prozess nehmen |
Vorher/Nachher-Analyse
Das häufigste What-if-Szenario ist das Testen einer Prozessänderung:
Szenario: Mehr Ressourcen einplanen
Frage: Was passiert, wenn wir einen weiteren Mitarbeitenden in der Freigabe einplanen?
Vorgehen:
- Erstellen Sie eine Baseline-Simulation mit aktuellem Personalstand
- Erstellen Sie eine veränderte Simulation mit höherer Kapazität
- Vergleichen Sie die Ergebnisse
Beispielergebnisse
| Metrik | Baseline | +1 Mitarbeitende | Verbesserung |
|---|---|---|---|
| Ø Durchlaufzeit | 5,2 Tage | 3,8 Tage | 27 % schneller |
| Ø Wartezeit | 2,1 Tage | 0,9 Tage | 57 % weniger |
| Fälle/Woche | 150 | 195 | 30 % mehr |
| Auslastung | 95 % | 78 % | Weniger überlastet |
Kosten-Nutzen-Analyse
Kombinieren Sie Simulationsergebnisse mit Kostendaten, um den ROI zu berechnen. Kostet ein zusätzlicher Mitarbeitender z. B. 60.000 €/Jahr, steigert aber den Durchsatz um 30 %, können Sie den Business Impact genau berechnen.
Vergleich mit realen Daten
Eine der wichtigsten Funktionen von ProcessMind ist der Vergleich simulierter Prognosen mit echten historischen Daten.
Warum mit realen Daten vergleichen?
- Modell validieren: Stimmen Simulation und historische Daten überein, ist Ihr Modell realistisch
- Lücken erkennen: Abweichungen zeigen, wo Anpassung nötig ist
- Verbesserungen messen: Neue reale Daten gegen Simulationsergebnisse vergleichen
Simulierte vs. echte Daten vergleichen
- Führen Sie eine Simulation für einen historischen Zeitraum durch
- Laden Sie Ihre realen historischen Daten für denselben Zeitraum hoch oder wählen Sie sie aus
- Über die Vergleichen-Funktion sehen Sie die Unterschiede
Unterschiede interpretieren
| Zeigt die Simulation … | Mögliche Ursache |
|---|---|
| schneller als real | Verzögerungen fehlen im Modell, Komplexität unterschätzt |
| langsamer als real | Bearbeitungszeiten überschätzt, unnötige Constraints |
| abweichende Pfade | Gateway-Wahrscheinlichkeiten stimmen nicht mit der Realität überein |
| Überlastung | Kapazitäten falsch definiert |
Vergleich mehrerer Szenarien
Vergleichen Sie mehr als zwei Szenarien, um die optimale Konfiguration zu finden:
Szenario: Optimale Personalzahl ermitteln
Frage: Wie viele Freigabemitarbeitende werden benötigt?
Vorgehen: Simulieren Sie verschiedene Personalstärken und vergleichen Sie die Ergebnisse
Beispiel: Analyse Personalbedarf
| Personal | Durchsatz | Auslastung | Wartezeit | Kosten |
|---|---|---|---|---|
| 2 | 100 Fälle/Woche | 98 % | 4,5 Tage | 120.000 $ |
| 3 | 145 Fälle/Woche | 85 % | 1,8 Tage | 180.000 $ |
| 4 | 160 Fälle/Woche | 68 % | 0,5 Tage | 240.000 $ |
| 5 | 165 Fälle/Woche | 55 % | 0,2 Tage | 300.000 $ |
Fazit: Der 3. Mitarbeitende bietet das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Danach nimmt der Nutzen ab.
Typische What-if-Szenarien
Prozessneugestaltung
Testen Sie strukturelle Änderungen im Prozess:
- Was passiert, wenn ein manueller Freigabeschritt entfällt?
- Was bringt eine zusätzliche Qualitätsprüfung?
- Was, wenn Sie Aktivitäten parallelisieren?
Nachfrage ändert sich
Bereiten Sie sich auf unterschiedliche Nachfragelevel vor:
- Was passiert, wenn die Nachfrage um 50 % steigt?
- Was, wenn saisonale Spitzen auftreten?
- Wie wirkt sich eine Marketingkampagne aus, die doppelt so viele Fälle bringt?
Ressourcen anpassen
Optimieren Sie Personal und Systeme:
- Was bringt Cross-Training für mehrere Aufgaben?
- Was, wenn wir einen manuellen Task automatisieren?
- Welche Effekte hat Outsourcing bestimmter Aktivitäten?
Timing im Prozess
Berücksichtigen Sie die Auswirkungen des Zeitplans:
- Was, wenn wir die Öffnungszeiten verlängern?
- Was bringt eine Wochenendschicht?
- Was, wenn die Pausen zeitlich versetzt werden?
Best Practices für What-if-Analysen
1. Baseline aufbauen
Führen Sie vor Prozessänderungen immer eine validierte Baseline-Simulation durch. So haben Sie eine Vergleichsgrundlage.
2. Einzelne Variablen ändern
Analysieren Sie möglichst einzelne Variablen, um den Einfluss gezielt zu erkennen. Mehrere Änderungen gleichzeitig erschweren die Zuordnung von Verbesserungen.
3. Realistische Parameter einsetzen
Nutzen Sie möglichst echte Daten zur Parametrisierung Ihrer Simulation. Unrealistische Eingaben liefern keine brauchbaren Ergebnisse.
4. Mehrere Metriken berücksichtigen
Optimieren Sie nicht nur einen KPI. Höherer Durchsatz kann zulasten von Qualität oder Mitarbeitenden gehen.
5. Szenarien dokumentieren
Dokumentieren Sie alle Anpassungen je Szenario. So bleiben Ergebnisse nachvollziehbar und teilbar.
6. Vor Umsetzung validieren
Prüfen Sie Simulationsergebnisse nach Möglichkeit mit kleinen Piloten, bevor die Einführung startet.
Ergebnisse präsentieren
Bei der Präsentation von What-if-Analysen gegenüber Stakeholdern:
- Starten Sie mit der Fragestellung: Welches Business-Problem lösen wir?
- Zeigen Sie den Vergleich: Visuelle Gegenüberstellungen sind am wirkungsvollsten
- Impact messen: In Geschäftswert übersetzen (Zeitersparnis, Kostenersparnis, Umsatzsteigerung)
- Unsicherheiten benennen: Simulation ist eine Prognose, keine Garantie