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Periodizität und zeitabhängige Parameter

Was ist Periodizität?

In der Realität laufen Prozesse nicht zu jedem Zeitpunkt gleich ab. Im Customer Service gibt es zu Geschäftszeiten mehr Anfragen. In der Produktion gibt es verschiedene Schichten. Im Handel treten saisonale Spitzen auf.

Periodizität ermöglicht es, genau zu definieren, wann bestimmte Simulationsregeln greifen. Statt eines globalen Werts können Sie je nach Zeitraum verschiedene Parameter vergeben:

  • Wochentage vs. Wochenende
  • Frühschicht vs. Spätschicht
  • Hochsaison vs. Nebensaison
  • Geschäftszeiten vs. außerhalb der Geschäftszeiten

So verhält sich die Simulation realitätsnah in unterschiedlichen Zeitkontexten.


Warum Periodizität wichtig ist

Ein einfaches Beispiel: das Modellieren des Kundenaufkommens.

Ohne Periodizität:

  • 10 Kunden pro Stunde, rund um die Uhr

Mit Periodizität:

  • 25 Kunden pro Stunde, werktags 9–18 Uhr
  • 15 Kunden pro Stunde, werktags 18–21 Uhr
  • 5 Kunden pro Stunde, am Wochenende
  • 2 Kunden pro Stunde, nachts

Das zweite Modell bildet realistische Nachfragemuster ab und beeinflusst Warteschlangen, Ressourcenauslastung und Durchsatz.


Verfügbare Periodizitätstypen

ProcessMind unterstützt neun verschiedene Periodizitätstypen, die bestimmen, wann eine Regel gilt:

TypParameterBeschreibung
Always(keine)Gilt immer, ohne Abweichung
Default(keine)Standardregel, wenn keine andere Zeitregel zutrifft
Fixed PeriodstartDateTime, endDateTimeEinmaliger Zeitraum (nicht wiederkehrend)
Each DaystartTime, endTimeGleiche Zeiten an jedem Tag
Each WeekdaystartTime, endTimeNur Montag bis Freitag
Each Weekend DaystartTime, endTimeNur Samstag und Sonntag
Each WeekstartDay, startTime, endDay, endTimeWöchentlich wiederkehrend, kann über mehrere Tage gehen
Each MonthstartDayOfMonth, startTime, endDayOfMonth, endTimeMonatlich wiederkehrendes Muster
Each YearstartMonth, startDayOfMonth, startTime, endMonth, endDayOfMonth, endTimeJährlich oder saisonales Muster

Periodizitätstypen im Detail

Always

Die einfachste Option – diese Regel gilt zu jeder Zeit, ohne Unterschiede.

Verwenden Sie diese Option, wenn: Der Parameter sich zeitlich wirklich nicht ändert oder Sie eine einfache Baseline-Simulation bauen.


Default

Dient als Fallback, wenn keine andere zeitbasierte Regel auf die aktuelle Simulationszeit passt.

Verwenden Sie diese Option, wenn: Sie Ausnahmen für bestimmte Zeiten definieren und für alles andere einen Standardwert vorgeben möchten.

Default-Regel immer einbeziehen

Wenn Sie mehrere Periodizitätsregeln verwenden, legen Sie immer eine Default-Regel fest. So werden mögliche Lücken abgedeckt und unerwartetes Verhalten vermieden, falls keine spezifische Regel greift.


Each Day

Die Regel gilt zu bestimmten Zeiten an jedem Tag der Woche.

Parameter:

  • startTime: Startzeit der Regel (z. B. 09:00)
  • endTime: Endzeit der Regel (z. B. 17:00)

Beispiel: Allgemeine Geschäftszeiten 09:00–17:00 gelten täglich, auch am Wochenende.


Each Weekday

Die Regel gilt zu bestimmten Zeiten nur von Montag bis Freitag.

Parameter:

  • startTime: Startzeit der Regel
  • endTime: Endzeit der Regel

Beispiel: Customer Service ist werktags von 08:00–18:00 Uhr erreichbar. Am Wochenende gelten andere Regeln.


Each Weekend Day

Die Regel gilt zu bestimmten Zeiten nur Samstag und Sonntag.

Parameter:

  • startTime: Startzeit der Regel
  • endTime: Endzeit der Regel

Beispiel: Eingeschränkte Supportzeiten am Wochenende von 10:00–16:00 Uhr.


Each Week

Die Regel gilt in einem Zeitraum, der über mehrere Tage der Woche gehen kann. Das eignet sich für Muster, die nicht auf einzelne Tage beschränkt sind.

Parameter:

  • startDay: Wochentag, an dem die Regel beginnt (Montag, Dienstag, …)
  • startTime: Uhrzeit am Starttag
  • endDay: Wochentag, an dem die Regel endet
  • endTime: Uhrzeit am Endtag

Beispiel: Belastungsphase von Mittwoch 14:00 Uhr bis Freitag 12:00 Uhr.


Each Month

Die Regel gilt an bestimmten Tagen jedes Monats.

Parameter:

  • startDayOfMonth: Starttag im Monat (1–31)
  • startTime: Uhrzeit am Starttag
  • endDayOfMonth: Endtag im Monat
  • endTime: Uhrzeit am Endtag

Beispiel: Monatsschlussphase vom 25. um 08:00 Uhr bis zum letzten Tag um 23:59 Uhr.


Each Year

Die Regel gilt zu bestimmten Daten jährlich.

Parameter:

  • startMonth: Monat, in dem die Regel beginnt
  • startDayOfMonth: Tag im Startmonat
  • startTime: Uhrzeit am Starttag
  • endMonth: Monat, in dem die Regel endet
  • endDayOfMonth: Tag im Endmonat
  • endTime: Uhrzeit am Endtag

Beispiel: Einzelhandelsspitze vom 15. November 00:00 Uhr bis 31. Dezember 23:59 Uhr.


Fester Zeitraum

Die Regel gilt in einem bestimmten Zeitraum (nicht wiederkehrend). Nutzen Sie dies für einmalige Ereignisse.

Parameter:

  • startDateTime: Exaktes Startdatum und Startzeit
  • endDateTime: Exaktes Enddatum und Endzeit

Beispiel: Produkteinführungswoche 15.–22. März 2025, mit speziellen Handling-Regeln.


Kombinieren mehrerer Regeln

Die wahre Stärke der Periodizität zeigt sich in der Kombination mehrerer Regeln. Sie können verschiedene Parameter für unterschiedliche Zeitkontexte festlegen. Die Simulation prüft, welche Regel jeweils gilt.

Beispiel: Multi-Schicht-Bearbeitungszeit

Betrachten Sie einen Produktionsprozess mit unterschiedlichen Bearbeitungszeiten je nach Schicht:

RegelnamePeriodizitätBearbeitungszeit-Verteilung
Tag-SchichtWerktags, 08:00-16:00Normal(30 min, 5 min)
Abend-SchichtWerktags, 16:00-00:00Normal(45 min, 10 min)
Wochenend-TeamWochenende, 10:00-18:00Normal(60 min, 15 min)
Nacht/DefaultDefaultNormal(90 min, 20 min)

Die Tag-Schicht ist am schnellsten (volles Team, ausgeruhte Mitarbeitende). Am Abend läuft es langsamer (weniger Aufsicht). Am Wochenende am langsamsten (Minimumbesetzung). Die Default-Regel deckt die Nachtstunden ab.

Regel-Priorität

Wenn mehrere Regeln zutreffen könnten:

  1. Die Regeln werden in der Reihenfolge Ihrer Konfiguration geprüft
  2. Die erste passende Regel wird verwendet (oberste gewinnt)
  3. Default-Regeln greifen nur, wenn keine andere Regel zutrifft

Tipp: Platzieren Sie speziellere Regeln über allgemeineren. Setzen Sie „Werktags” vor „Jeder Tag“, wenn Wochentage anders behandelt werden sollen als das Wochenende.


Einsatzgebiete für Periodizität

Periodizität kann für viele Simulationsparameter genutzt werden:

ParameterAnwendung Periodizität
Case ArrivalsHöhere Ankunftsraten zu Geschäftszeiten, niedriger nachts
Processing TimesSchnellere Bearbeitung bei voller Besetzung, langsamer bei weniger Personal
Resource CapacityMehr Mitarbeitende zu Spitzenzeiten, Minimalbesetzung nachts
Skip ChancesUnterschiedliche Routing-Regeln am Wochenende oder an Feiertagen
Gateway ProbabilitiesUnterschiedliche Entscheidungen je nach Tageszeit

Praxisbeispiel: Customer Support Center

Ein praxisnahes Beispiel, wie Periodizität mit mehreren Parametern in einer Support-Simulation eingesetzt werden kann:

Konfiguration der Ankunftsraten

PeriodizitätAnkunftsrate
Each Weekday 09:00-18:00Poisson(50 pro Stunde)
Each Weekday 18:00-22:00Poisson(20 pro Stunde)
Each Weekend Day 10:00-16:00Poisson(15 pro Stunde)
DefaultPoisson(5 pro Stunde)

Hohes Aufkommen zu Geschäftszeiten, moderater Betrieb abends, geringes Aufkommen am Wochenende und nachts.

Konfiguration Bearbeitungszeit

PeriodizitätVerteilung
Werktags 09:00-17:00Triangular(10, 20, 45 min)
WochenendeTriangular(20, 40, 90 min)
DefaultTriangular(30, 60, 120 min)

Am schnellsten bei voller Besetzung, langsamer am Wochenende und außerhalb der Kernzeiten.

Konfiguration Personalkapazität

PeriodizitätVerfügbare Mitarbeitende
Werktage 09:00-18:0010 Mitarbeitende
Werktage 18:00-22:004 Mitarbeitende
Wochenende 10:00-16:003 Mitarbeitende
Default1 Mitarbeitender

Volle Besetzung zu Geschäftszeiten, sonst reduzierte Abdeckung.

Zusammenspiel der Regeln

Um 10:00 Uhr am Dienstag:

  • Eingänge mit einer Rate von 50 pro Stunde
  • Bearbeitung nutzt die schnelle Dreiecksverteilung
  • 10 Mitarbeitende verfügbar

Um 20:00 Uhr am Dienstag:

  • Eingänge sinken auf 20 pro Stunde
  • Bearbeitung nutzt die Default-(langsamere) Verteilung
  • Nur 4 Mitarbeitende verfügbar

Um 14:00 Uhr am Samstag:

  • Eingänge bei 15 pro Stunde
  • Bearbeitung nutzt die Wochenend-Verteilung
  • 3 Mitarbeitende verfügbar

Best Practices

1. Beginnen Sie mit Default

Definieren Sie immer zuerst die Default-Regel. So sind alle Zeiten abgedeckt, für die keine andere Regel gilt.

2. Von allgemein zu spezifisch

Beginnen Sie mit groben Mustern (Werktag vs. Wochenende) und ergänzen Sie bei Bedarf spezifischere Regeln wie einzelne Schichtzeiten.

3. Halten Sie es anfangs einfach

Starten Sie mit einfachen Unterscheidungen wie Werktag/Wochenende. Stündliche oder saisonale Details können Sie später hinzufügen.

4. Muster mit Daten belegen

Analysieren Sie nach Möglichkeit historische Daten, um echte Muster zu erkennen. Schauen Sie auf Ankunftsraten, Bearbeitungszeiten und Personaleinsatz nach Stunden und Wochentagen.

5. Testen Sie Randfälle

Überprüfen Sie, ob Ihre Regeln Übergangszeiten korrekt abbilden:

  • Was passiert um 17:00 Uhr beim Schichtwechsel?
  • Wird Mitternacht richtig behandelt?
  • Funktionieren Monatsendregeln bei Monaten mit unterschiedlicher Länge?

6. Regeln dokumentieren

Komplexe Periodizitäts-Einstellungen können später schwer nachvollziehbar sein. Halten Sie fest, warum jede Regel existiert und welches Geschäftsmodell sie abbildet.


Nächste Schritte

Ressourcen
Verwenden Sie Periodizität, um variable Ressourcenkapazität zeitabhängig zu modellieren.